Reedereien

Wenn „Gemeinsamkeit“ dominiert:
Reedereien, die für Solos
herausfordernd sein können

Nicht jedes Schiff ist ein Solo-Paradies. Erfahre, warum familienorientierte und gruppenfokussierte Reedereien dazu führen können, dass man sich allein deplatziert fühlt, und wie du entscheidest, ob sie den Mehraufwand wert sind.

Eine der häufigsten Fragen neuer Alleinreisender lautet: „Gibt es Schiffe, auf denen ich mich allein fehl am Platz fühle?“ Obwohl jedes Schiff Solos willkommen heißt, sind einige so stark auf Familien und große Gruppen ausgerichtet, dass man sich als Einzelreisender wie ein Außenseiter vorkommen kann. Hier ist alles, was du wissen musst.

Der „Gruppeneffekt“: Wenn man allein unter Vielen ist

Reedereien sind Unternehmen, die ihre Schiffe oft für die lukrativsten Zielgruppen entwerfen: Familien und große Reisegruppen. Man ist zwar nie „verboten“ als Solo-Gast, aber die soziale Architektur einiger Schiffe ist auf den sogenannten „Posse-Effekt“ ausgelegt. Das bedeutet: Gäste reisen in festen Gruppen an (Familienfeiern, Hochzeitsgesellschaften oder Clubs) und sind weniger offen für Kontakte nach außen.

Die Wahl einer solchen Reederei ist reine Geschmackssache. Wenn du eine energiegeladene Atmosphäre liebst und es dir nichts ausmacht, der einzige Solo-Gast an einem Achtertisch zu sein, wirst du eine tolle Zeit haben. Wenn du jedoch nach einem „einfachen“ sozialen Umfeld suchst, erfordern diese Anbieter mehr Eigeninitiative.

Das Solo-Match-Grid: Wer überzeugt, wer fordert heraus? (2026)

In dieser Tabelle listen wir Reedereien auf, die 2026 aufgrund ihrer Preisstruktur, Zielgruppe oder Bord-Atmosphäre für Alleinreisende eine Herausforderung darstellen können.

ReedereiSolo-RatingHauptgrund für die BewertungDie größte Solo-Hürde
Disney Cruise LineExtremer Preis und Fokus auf Familien.Fast immer 200 % Reisepreis.
MSC Cruises⭐⭐Anonymität und Sprachbarrieren.Ungehostete Treffen; hohe Lautstärke.
Costa Cruises⭐⭐Fokus auf italienische Großfamilien.Sehr lautes Umfeld; wenig Solo-Struktur.
Royal Caribbean⭐⭐⭐Megaschiffe für „Togetherness“ gebaut.Gruppenzwang bei vielen Aktivitäten.
Carnival Cruise Line⭐⭐⭐Dominanz von Party-Gruppen.„Posse-Effekt“ durch Hochzeits-Clubs.
Marella Cruises⭐⭐Starker Fokus auf britische Paare.Wenig Infrastruktur für Einzelreisende.
Celestyal Cruises⭐⭐⭐Ältere Schiffe; teils hohe Zuschläge.Begrenzte Solo-Angebote an Bord.
Paul GauguinReines Flitterwochen- und Paar-Ziel.Man fühlt sich als Solo oft deplatziert.
Star Clippers⭐⭐Sehr kleine, geschlossene Gruppen.Schwieriger Anschluss für Außenstehende.
Windstar Cruises⭐⭐⭐Starker Fokus auf Paare und Romantik.Fehlende Solo-Lounges oder Programme.

Warum diese Reedereien für Solos herausfordernd sind

Die Bewertung mit 3 Sternen oder weniger bedeutet nicht, dass diese Schiffe schlecht sind. Es bedeutet jedoch, dass das Produkt nicht um den Alleinreisenden herum gebaut wurde. Hier sind die drei Hauptfaktoren:

1. Die Preis-Barriere (Beispiel: Disney & Paul Gauguin)

Diese Reedereien kalkulieren 2026 fast ausschließlich mit zwei zahlenden Personen pro Kabine. Da sie keine oder nur sehr wenige Einzelkabinen haben, zahlst du als Solo-Gast fast immer den doppelten Preis. Für den Gegenwert einer Woche bei Disney könntest du auf solo-freundlichen Linien oft zwei bis drei Wochen reisen.

2. Die soziale Architektur (Beispiel: Royal Caribbean & Carnival)

Auf Megaschiffen ist alles auf „Wir“ ausgelegt. Die Kabinen, die Tische im Restaurant und sogar die Aktivitäten (wie Escape Rooms oder Laser Tag) funktionieren am besten in Gruppen. Wenn du hier allein reist, musst du sehr extrovertiert sein, um dich nicht wie ein „fünfter Reifen am Wagen“ zu fühlen.

3. Die Zielgruppen-Dominanz (Beispiel: MSC & Star Clippers)

Wenn 90 % der Gäste Familien oder Hochzeitsreisende sind, gibt es kaum eine natürliche Plattform für Solos. Auf kleinen Schiffen wie bei Star Clippers kann es zudem passieren, dass sich bereits am ersten Tag feste Gruppen bilden, in die man als Einzelperson nur schwer hineinkommt.

Der Blick über den Tellerrand: Internationale Reedereien

Wenn du bereit bist, dich auf ein internationales Umfeld einzulassen, öffnet sich eine neue Welt. Auch wenn dein Englisch nicht perfekt ist: Trau dich!

  • Norwegian Cruise Line (NCL): Sie sind die Pioniere der Solo-Kabinen mit eigenem Lounge-Bereich. Hier ist das Alleinreisen Teil des Geschäftsmodells.

  • Virgin Voyages: Diese Schiffe sind „Adults Only“. Das bedeutet: Keine schreienden Kinder, dafür viele moderne Alleinreisende. Ein sehr hippes Umfeld, das proaktives Kennenlernen fördert.

  • Holland America Line: Wenn du klassische Eleganz und Ruhe suchst, ist dies die internationale Antwort auf Phoenix oder Mein Schiff. Sehr beliebt bei Solo-Reisenden, die gerne lesen und den Blick aufs Meer genießen.

Die Favoriten der Deutschen: Ein ehrlicher Check

Die „Anschluss-Garanten“: AIDA und Phoenix

  • AIDA: Durch die offene Buffet-Kultur und die lockere Sprache (Du-Form) ist AIDA ungeschlagen, wenn du Leute kennenlernen willst. Der Solo-Stammtisch am ersten Abend ist hier eine Institution.

  • Phoenix Reisen: Hier reist du auf kleineren Schiffen. Da die Kapazität begrenzt ist, kennt man sich nach drei Tagen. Besonders für Solos, die eine persönliche Betreuung durch die Crew schätzen, ist Phoenix ideal.

 

Die „Wohlfühl-Oasen“: Mein Schiff, Nicko und Hapag-Lloyd

  • Mein Schiff: Wenn du keine Lust auf „Clubschiff-Animation“ hast, ist TUI Cruises dein Ziel. Es gibt zwar weniger Einzelkabinen, aber die Atmosphäre ist so entspannt, dass man auch alleine im Restaurant nie komisch angeschaut wird.

  • Nicko Cruises: Die Vasco da Gama ist 2026 ein echter Preis-Leistungs-Sieger. Mit oft nur 15 Prozent Einzelbelegungszuschlag ist sie eine der günstigsten Arten, solo zu reisen.

  • Hapag-Lloyd (Europa 2): Hier kaufst du dir maximale Freiheit. Es ist das Gegenteil von Massentourismus. Ideal, wenn du alleine reist, um deine Ruhe zu haben und exzellenten Service zu genießen.

 

Die Herausforderer: MSC und Costa

Diese Linien sind fantastisch für den Geldbeutel, aber für Solos oft anstrengend. Der Fokus liegt extrem auf Familien und italienischer bzw. mediterraner Geselligkeit. Ohne Eigeninitiative kann man hier in der Masse der Großfamilien untergehen. Wir raten hier eher zur Vorsicht, außer du suchst die totale Anonymität.

Strategie: Megaschiff-Anonymität vs. Luxus-Stille

Du hast zwei Möglichkeiten, wenn du auf diesen „schwierigen“ Linien reist:

  • Die Megaschiff-Taktik: Nutze die Anonymität. Auf einem Schiff von Royal Caribbean oder MSC kannst du in der Menge untertauchen. Buche eine Balkonkabine als Rückzugsort und meide die Buffet-Restaurants zu Stoßzeiten.

  • Der Wechsel zur Luxus-Nische: Wenn du echte Ruhe willst, musst du zu kleineren, teureren Anbietern wie Hapag-Lloyd oder Viking wechseln. Dort zahlst du mehr, aber du zahlst für die Abwesenheit des Gruppen-Trubels.

Die Solo-Realität (2026)

  • Einzelbelegungs-Check: Auf familienorientierten Linien wie Disney oder MSC liegt der Einzelbelegungszuschlag 2026 in über 90 Prozent der Fälle bei 100 Prozent (man zahlt also doppelt).

  • Solo-Quote: Während auf solo-freundlichen Schiffen (wie NCL) bis zu 18 Prozent Alleinreisende sind, liegt die Quote bei Disney im Sommer bei unter 7 Prozent.

  • Erfolgsfaktor: Solos auf Megaschiffen, die den Treff am ersten Tag verpassen, berichten zu 50 Prozent seltener von neuen Bekanntschaften während der Reise.

Jedes Schiff ist eine Entscheidung

Jede Reederei hat ihre Stärken. Ein Schiff, das für einen Solo-Reisenden „zu familienlastig“ ist, kann für einen anderen genau die richtige lebendige Energie bieten. Wichtig ist, dass du weißt, worauf du dich einlässt. Wenn du dich für einen Gruppen-Giganten entscheidest, sei einfach ein bisschen proaktiver: Nutze Online-Foren vor der Reise und besuche die Mixer am ersten Tag. Dein Erlebnis hängt davon ab, was du daraus machst.

Nicht alle Alleinreisenden suchen aktiv nach Kontakten. Manche genießen vor allem Ruhe, Rückzug und ein entspanntes Reisegefühl. Für sie eignen sich Reedereien mit weniger Trubel, einem ruhigeren Bordalltag und einer zurückhaltenden Atmosphäre.

Entdecke mehr in der Serie: Reedereien

Vertiefe dein Wissen und lerne, wie du die Reederei findest,
die am besten zu deinen persönlichen Ansprüchen passt

Reedereien mit speziellen Einzelkabinen

Der Vorteil liegt in einer klaren Preisstruktur und einer Kabine, die auf Alleinreisende zugeschnitten ist.

Reedereien mit Communities für Alleinreisende

Wer offen für Kontakte ist, findet auf solchen Schiffen oft schnell Anschluss.

Reedereien für unabhängige, ruhige Alleinreisende

Diese Reedereien ermöglichen es, alleine zu reisen, ohne sich erklären oder anpassen zu müssen.

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FAQ: Herausforderungen meistern

Warum schneidet Disney so schlecht ab?

Es ist eine reine Kosten-Nutzen-Rechnung. Solos zahlen den vollen Doppelpreis und finden an Bord fast nur Aktivitäten, die auf Kinder oder Paare zugeschnitten sind.

Ja, wenn man die Action liebt. Man muss jedoch akzeptieren, dass man oft von großen Gruppen umgeben ist und die Ruhebereiche (Solarium) hart umkämpft sind.

Nur, wenn man den Zuschlag ignoriert. Ein vermeintliches Schnäppchen bei MSC kann durch den 100 % Zuschlag teurer werden als eine Luxusreise bei einer solo-freundlichen Reederei.

Was ist das Problem bei kleinen Linien wie Star Clippers?

Die Intimität kann für Solos ein Nachteil sein. Wenn nur 150 Leute an Bord sind und 140 davon als Paare reisen, gibt es kaum Ausweichmöglichkeiten für Gespräche.

Ja, in der Nebensaison (z. B. November) senken selbst MSC oder Costa manchmal die Zuschläge auf 15 bis 30 %, um das Schiff zu füllen.

Nicht zwingend. Wenn dir das Ziel (z. B. Tahiti bei Paul Gauguin) wichtiger ist als der Anschluss an Bord, kannst du dort trotzdem glücklich werden. Du solltest nur deine Erwartungen an das soziale Leben anpassen.

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